Robert Seethaler - Der Trafikant
Der Autor:
Robert Seethaler, 1966 in Wien geboren, wurde 2007 für seinen Roman »Die Biene und der Kurt« mit dem Debütpreis des Buddenbrookhauses ausgezeichnet. Er erhielt zahlreiche Stipendien, darunter das Alfred-Döblin Stipendium der Akademie der Künste. Der Film nach seinem Drehbuch »Die zweite Frau« wurde mehrfach ausgezeichnet und lief auf verschiedenen internationalen Filmfestivals. 2008 erschien sein zweiter Roman »Die weiteren Aussichten«. »Jetzt wirds ernst« wurde 2010 veröffentlicht, darauf folgte 2012 der Bestseller »Der Trafikant«. Robert Seethaler lebt und schreibt in Wien und Berlin.
Das Buch:
Robert Seethaler erzählt die Geschichte von Franz, Freud und Anezka im Wien der 30er Jahre
Österreich 1937: Der 17-jährige Franz Huchel verlässt sein Heimatdorf, um in Wien als Lehrling in einer Trafik - einem Tabak-und Zeitungsgeschäft - sein Glück zu suchen. Dort begegnet er eines Tages dem Stammkunden Sigmund Freud und ist sofort fasziniert von dessen Ausstrahlung. Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden unterschiedlichen Männern. Als sich Franz kurz darauf Hals über Kopf in die Variététänzerin Anezka verliebt und in eine tiefe Verunsicherung stürzt, sucht er bei Professor Freud Rat. Dabei stellt sich jedoch schnell heraus, dass dem weltbekannten Psychoanalytiker das weibliche Geschlecht ein mindestens ebenso großes Rätsel ist wie Franz. Ohnmächtig fühlen sich beide auch angesichts der sich dramatisch zuspitzenden politischen-gesellschaftlichen Verhältnissen. Und schon bald werden sie - und Anezka - jäh vom Strudel der Ereignisse auseinander gerissen.
Meine Worte:
Das Buch lässt sich durchaus in einem Rutsch lesen. Es ist nicht in Kapitel unterteilt, ist flüssig lesbar und erzeugt durch die klare Sprache eine gewisse Spannung.
Es gibt Szenen mit einem feinen Humor, aber auch eine tiefe Melancholie, die stets zwischen den Zeilen mitschwingt.
Die Schrecken des Nationalsozialismus klingen leise nach, wenn man das Buch beendet hat. Die Geschehnisse werden bildhaft geschildert, die Charaktere sind gut ausgearbeitet und sympathisch. Die Beziehungen der Charaktere zueinander sind authentisch und liebevoll ausgearbeitet.
Zu Beginn war mir der verträumte Franz eher unsympathisch. Er lebt in den Tag hinein und lässt sich von seiner Mutter verwöhnen. Doch er muss etwas zum Lebensunterhalt beisteuern, denn der bisherige Gönner seiner Mutter stirbt unerwartet. So kommt Franz nach Wien, für ihn ein Kulturschock. Doch er wächst daran und entwickelt sich weiter. Seine Entwicklung ist nachvollziehbar und logisch.
Die Liebesgeschichte zwischen Franz und Anezka ist berührend, wunderschön und traurig zugleich.
Die Episoden mit Sigmund Freud fand ich etwas konstruiert und befremdlich. Für mich passten diese nicht so wirklich zur Geschichte. Die wenigen Szenen mit Freud sind auch eher nebensächlich, sollen wohl aber die innere Zerissenheit und das sexuelle Aufblühen von Franz in irgendeinen Zusammenhang setzen. So sagt denn auch Freud zu Franz Sätze wie: "Mit Frauen ist es wie mit Zigarren: Wenn man zu fest an ihnen zieht, verweigern sie einem den Genuss."
So scheinen Franz' spätere Erlebnisse auch von Anfang an durch einen kurzen Absatz vorweg genommen zu werden: "Ein guter Trafikant verkauft nicht einfach nur Tabak und Papier", sagte Otto Trsnjek und kratzte sich mit dem hinteren Ende der Schreibfeder an seinem Beinstumpf. "Ein guter Trafikant verkauft Genuss und Lust - und manchmal Laster!"
Obwohl ich die Geschichte zeitweise etwas seltsam empfand, finde ich sie sehr gut lesbar.
Zeitweise ist sie düster und scheint hoffnungslos, gleichzeitig aber erzählt der Autor eine Geschichte voller Licht und Farben.
Den Teil mit dem Fahnenmast fand ich super! :) (Lest es selbst!)
Link zum Buch
Robert Seethaler, 1966 in Wien geboren, wurde 2007 für seinen Roman »Die Biene und der Kurt« mit dem Debütpreis des Buddenbrookhauses ausgezeichnet. Er erhielt zahlreiche Stipendien, darunter das Alfred-Döblin Stipendium der Akademie der Künste. Der Film nach seinem Drehbuch »Die zweite Frau« wurde mehrfach ausgezeichnet und lief auf verschiedenen internationalen Filmfestivals. 2008 erschien sein zweiter Roman »Die weiteren Aussichten«. »Jetzt wirds ernst« wurde 2010 veröffentlicht, darauf folgte 2012 der Bestseller »Der Trafikant«. Robert Seethaler lebt und schreibt in Wien und Berlin.
Das Buch:
Robert Seethaler erzählt die Geschichte von Franz, Freud und Anezka im Wien der 30er Jahre
Österreich 1937: Der 17-jährige Franz Huchel verlässt sein Heimatdorf, um in Wien als Lehrling in einer Trafik - einem Tabak-und Zeitungsgeschäft - sein Glück zu suchen. Dort begegnet er eines Tages dem Stammkunden Sigmund Freud und ist sofort fasziniert von dessen Ausstrahlung. Im Laufe der Zeit entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden unterschiedlichen Männern. Als sich Franz kurz darauf Hals über Kopf in die Variététänzerin Anezka verliebt und in eine tiefe Verunsicherung stürzt, sucht er bei Professor Freud Rat. Dabei stellt sich jedoch schnell heraus, dass dem weltbekannten Psychoanalytiker das weibliche Geschlecht ein mindestens ebenso großes Rätsel ist wie Franz. Ohnmächtig fühlen sich beide auch angesichts der sich dramatisch zuspitzenden politischen-gesellschaftlichen Verhältnissen. Und schon bald werden sie - und Anezka - jäh vom Strudel der Ereignisse auseinander gerissen.
Meine Worte:
Das Buch lässt sich durchaus in einem Rutsch lesen. Es ist nicht in Kapitel unterteilt, ist flüssig lesbar und erzeugt durch die klare Sprache eine gewisse Spannung.
Es gibt Szenen mit einem feinen Humor, aber auch eine tiefe Melancholie, die stets zwischen den Zeilen mitschwingt.
Die Schrecken des Nationalsozialismus klingen leise nach, wenn man das Buch beendet hat. Die Geschehnisse werden bildhaft geschildert, die Charaktere sind gut ausgearbeitet und sympathisch. Die Beziehungen der Charaktere zueinander sind authentisch und liebevoll ausgearbeitet.
Zu Beginn war mir der verträumte Franz eher unsympathisch. Er lebt in den Tag hinein und lässt sich von seiner Mutter verwöhnen. Doch er muss etwas zum Lebensunterhalt beisteuern, denn der bisherige Gönner seiner Mutter stirbt unerwartet. So kommt Franz nach Wien, für ihn ein Kulturschock. Doch er wächst daran und entwickelt sich weiter. Seine Entwicklung ist nachvollziehbar und logisch.
Die Liebesgeschichte zwischen Franz und Anezka ist berührend, wunderschön und traurig zugleich.
Die Episoden mit Sigmund Freud fand ich etwas konstruiert und befremdlich. Für mich passten diese nicht so wirklich zur Geschichte. Die wenigen Szenen mit Freud sind auch eher nebensächlich, sollen wohl aber die innere Zerissenheit und das sexuelle Aufblühen von Franz in irgendeinen Zusammenhang setzen. So sagt denn auch Freud zu Franz Sätze wie: "Mit Frauen ist es wie mit Zigarren: Wenn man zu fest an ihnen zieht, verweigern sie einem den Genuss."
So scheinen Franz' spätere Erlebnisse auch von Anfang an durch einen kurzen Absatz vorweg genommen zu werden: "Ein guter Trafikant verkauft nicht einfach nur Tabak und Papier", sagte Otto Trsnjek und kratzte sich mit dem hinteren Ende der Schreibfeder an seinem Beinstumpf. "Ein guter Trafikant verkauft Genuss und Lust - und manchmal Laster!"
Obwohl ich die Geschichte zeitweise etwas seltsam empfand, finde ich sie sehr gut lesbar.
Zeitweise ist sie düster und scheint hoffnungslos, gleichzeitig aber erzählt der Autor eine Geschichte voller Licht und Farben.
Den Teil mit dem Fahnenmast fand ich super! :) (Lest es selbst!)
Link zum Buch

Kommentare
Kommentar veröffentlichen