Arbeitstitel: kleiner Schreihals / Avas Vorgeschichte

Kürzlich fiel mir der folgende Text ein. Ich könnte ihn ja mal in einer meiner Geschichten einbauen.
Leider weiß ich noch nicht, um wen es da geht, oder wo er gerade her kommt und wo er eigentlich hin wollte. Eventuell ist das eine Episode aus Avas Abenteuer und der Protagonist könnte Birger sein. Vielleicht auch jemand, der auf Ava und ihre Freunde im Verlauf der Geschichte trifft, die ich vor längerer Zeit anfing zu schreiben und die auch nicht so recht voran geht. :) Ich bleibe gespannt. ;-)


"Ein kleiner Vogel saß vor ihm an einem Baumstamm und beäugte ihn misstrauisch. Sein Gefieder war bunt. Bunt war eigentlich noch ein zu farbloser Ausdruck, um die Färbung der Federn zu beschreiben. Die Farben waren kräftig und schienen von innen heraus zu leuchten. Fasziniert näherte er sich. Auf seinem Weg durch diesen Wald hatte er schon einige dieser Federn vom Boden aufgehoben und in seine Tasche gesteckt. Es war eigentlich keine bewusste Entscheidung gewesen. Er hatte sich ganz automatisch nach den Federn gebückt und sie eingesteckt. Beim Anblick des Vogels vergaß er völlig, warum er durch diesen Wald wanderte. Für diesen Moment galt nur, dem Vogel näher zu kommen und dieses faszinierende Farbenspiel des Gefieders ganz in sich aufzunehmen, damit er es nie vergessen würde. Ob sein Gesang so schön wie sein Gefieder war? Wie könnte er ihm wohl ein paar Töne entlocken? Sollte er ihm etwas vor pfeifen?

Eben noch hatte der Vogel still gesessen, jetzt drehte er sich, um ihn besser beobachten zu können und saß nun kopfüber am Baumstamm. Dabei drehte er den Kopf abschätzend hin und her.

Das riss ihn aus seiner ehrfürchtigen Erstarrung und er begann, sich wieder langsam dem Baum zu nähern. Dabei murmelte er unablässig vor sich hin: „Hallo, du Hübscher. Was bist du denn für einer? Magst du mir nicht etwas vorsingen? Ein Vogel mit so einem schönen Gefieder hat bestimmt auch die herrlichste Gesangsstimme..“ So und ähnlich redete er in einem beruhigenden Tonfall auf den Vogel ein, während er sich Schritt für Schritt näherte und dieser langsam am Baumstamm entlang hüpfte.

Während er sich überlegte, welche Melodie er wohl pfeifen könnte, um dem Vogel ein paar Töne zu entlocken, sprang dieser plötzlich auf einen Ast, straffte sich, klappte den Schnabel auf und legte los. Entsetzt warf er sich in den nächstgelegenen Busch und versuchte sich, die Ohren zu zuhalten. Es klang weder lieblich, noch zart, was dem kleinen Buntrock da aus dem Schnabel kam. Man könnte meinen, er hätte sämtliche Geräusche der bekannten und unbekannten Tierwelt zusammen geworfen und daraus das grässlichste Lärmen der Welt gehämmert.

Das entsetzlichste Geräusch aller Zeiten quälte seine Gehörgänge, so dass er sich zwang, wieder aufzustehen, um möglichst viel Abstand zwischen sich und dieses unselige Geschöpf der Unterwelt zu bringen. Wie konnte etwas so wunderschön aussehen und gleichzeitig so schrecklich klingen? Er hatte nicht vor, dies so bald heraus zu finden. Zusammen gekrümmt und mit gesenktem Kopf, die Hände fest auf den Ohren, lief er so schnell es das Unterholz zuließ einfach nur immer weiter. Eine Weile hatte er das Gefühl, er könne diesem Viech nicht entfliehen, doch nach und nach wurde es stiller um ihn herum. Das könnte auch daran liegen, dass sämtliches Leben um ihn herum Reißaus genommen hatte. Er war also nicht der einzige, dem von dem Krakeelen des Vogels die Ohren schmerzten. Alles, was fliegen oder laufen konnte, war Hals über Kopf geflüchtet, als der Vogel mit seinem Gekreisch anfing. Ihm fielen immer neue Umschreibungen für die Geräusche des Vogels ein, die aber alle nicht annähernd die wahre Bedeutung erreichten, für die es noch keine Worte geben konnte. Ausgeburt der Hölle war noch der schmeichelhafteste Name, der ihm für diesen wunderschönen bunten Vogel einfiel, wobei wunderschön und bunt allein seinem Gefieder galt. Sein „Gesang“ musste erst noch einen Namen bekommen.

Langsamer ging er weiter und sein rasender Puls beruhigte sich nach und nach wieder.

Seit er das herrliche Gefieder des Vogels gesehen hatte, kam ihm der Wald düster und eintönig vor, obwohl die Sonne durch Lücken im Blätterdach der Bäume bis zum Boden hinab schien und hübsche Muster bildete. Hier und da summten dicke Waldbienen und Erdhummeln über kleine Lichtungen, auf denen die verschiedensten Blumen wuchsen. Rehe sprangen ins Unterholz, sobald sie ihn bemerkten und unterschiedliche Vögel flogen zwischen den Bäumen herum.

Gedankenverloren schlenderte er weiter über schmale Trampelpfade und dachte darüber nach, was er eigentlich vorgehabt hatte, als er heute Morgen in den Wald aufbrach.

Wie war er bloß in diesen Teil des Waldes geraten, und wo war er ursprünglich her gekommen? Dieser verrückte Vogel hatte ihn mit seinen Federn ganz schön in die Irre geführt. Er sollte sich darauf konzentrieren, vor Einbruch der Dunkelheit zurück zu kehren. Woher auch immer er gekommen war."

Außerdem habe ich angefangen, die Vorgeschichte zu Avas Abenteuer aufzuschreiben:


"Ava wurde wieder einmal unsanft geweckt. Wie gerne würde sie noch weiter schlafen, aber ihre Zofe rief, während sie die Vorhänge aufschob: „ Aufgewacht, die Sonne lacht! Es ist Sonntag! Ihr wollt doch Euren Vater und seinen erlauchten Gast nicht warten lassen! Das Frühstück wird alsbald serviert! Und die Herren erwarten Euch!“
Ava hätte sich am liebsten ganz tief in ihrem Bett verkrochen. Sollte sie doch bald mit dem „erlauchten“ Gast ihres Vaters vermählt werden. Und von erlaucht konnte nun wirklich keine Rede sein. Ein grobschlächtiger, lauter und ungehobelter Kampfgefährte ihres Vaters, der keine Gelegenheit ausließ, ihr zu verstehen zu geben, wie sehr er sich auf die Hochzeitsnacht freute. Wann immer er sich unbeobachtet fühlte, näherte er sich ihr in unziemlicher Weise. Ava wusste, dass ihr Vater diese Annäherungsversuche mehr als einmal mitbekommen hatte. Doch seinem alten Waffenbruder konnte er offenbar nichts übel nehmen, nicht mal, wenn es um die körperliche Unversehrtheit seiner Tochter vor ihrer Eheschließung ging. Handelte es sich doch um den ihr Anverlobten, der sich schließlich nur ein paar Neckereien mit seiner Zukünftigen hingab.
Schaudernd kroch Ava aus den Federn und dachte über ihre missliche Lage nach und wie sie dieser Eheschließung doch noch entkommen könnte, während sie sich mit Hilfe ihrer Zofe ankleidete und frisierte."

Kommentare