Autorenvorstellung: Sophie Fawn
Bevor die Lesewinter Challenge vorbei ist, möchte ich euch noch Sophie Fawn vorstellen.
Luna und David konnte mich schon begeistern und momentan lese ich Der Kodex der Hüterinnen.
Es sind zwei völlig unterschiedliche Geschichten, aber beide sind absolut wundervoll geschrieben, packend und mitreißend! Ich kann sie euch nur ans Herz legen! Lest sie! Sophie Fawns Schreibstil ist wirklich super lesbar und berührend.
Aber jetzt will ich erstmal die Autorin zu Wort kommen lassen. Und wie es oft bei Autoren der Fall ist, können sie sich selten kurz fassen. (Gut für uns Leser, richtig?) :)
Also jetzt viel Vergnügen mit der Lektüre des Interviews:
- Wie und wann hast Du mit dem Schreiben begonnen?
Sobald ich schreiben konnte, habe ich es getan. In der Grundschule waren es kleine Texte oder Gedichte, in der siebten Klasse folgte der erste Roman. - In welches Genre würdest Du Deine Bücher einordnen?
Am liebsten sind mir fantastische Geschichten mit einer Prise Romantik. Mal ist es Fantasy, dann doch wieder ein reiner Jugendroman mit gefühlvoller Liebesgeschichte und in der Mitte gibt es ganz viele Romantasy-Projekte von mir.
- Wie bist Du gerade auf dieses Genre gekommen?
Man schreibt das, was man liest, oder? Ich lese sehr gerne Jugendbücher, ob nun Fantasy, Romantasy, Dystopie oder reine Liebesgeschichte. In dem Alter entwickelt sich so viel und rückblickend ist es eine der schönsten Zeiten im Leben. Es macht Spaß, sie immer wieder erleben und entdecken zu dürfen.
- Was hat Dich inspiriert, die Geschichten in dieser Zeit spielen zu lassen?
Generell finde ich es gut, wenn Geschichten im Hier und Jetzt spielen. Es muss nicht alles amerikanisch sein, ebenso wenig, muss es extrem ausgefallen sein. Den Kodex musste ich in eine eigene Welt verlagern, die mittelalterlich anmutet. Manchmal braucht die Geschichte das. Der Großteil meiner Romane spielt jedoch in unserer Zeit.
- Worauf kannst Du beim Schreiben nicht verzichten? (Kaffee, Tee, Schokolade, Gesellschaft, Musik, absolute Ruhe..)
Ruhe ist mir sehr wichtig. Außerdem hilft ein guter Stift, sonst schmerzen die Finger nach ein paar Seiten und dann macht es keinen Spaß. Und wer sich nun über das Wort „Stift“ gewundert hat: Das sind die Dinger, mit denen man Buchstaben auf Papier malen kann. Natürlich tippe ich viel am PC, aber die besten Szenen, gefühlvollsten Momente und knackigsten Dialoge schreibe ich auf Papier.
- Wie sieht Dein Schreiballtag aus?
Den gibt es bei mir nicht. Natürlich sollte man täglich schreiben, aber das funktioniert bei mir nicht. Daher würde ich zwei Herangehensweisen unterscheiden. Entweder müssen Szenen aus meinem Kopf, dann schreibe ich sie auf Papier (das sind die wirklich guten Einfälle ) . Wenn ich im Auto unterwegs bin, kann ich sie nicht aufschreiben, aber dann hilft mir ein Diktiergerät. An freien Tagen setzte ich mich dann an den Rechner, übertrage die Texte, überarbeite und tippe oft auch dort weiter. Oder arbeite Details an meiner Plotwand aus, die ich auch nur zu Hause habe. Es kommt also immer darauf an, wo ich schreibe und wieviel Zeit mir dafür bleibt.
- Stichwort Recherche: Welche Quellen sind bei Deiner Recherche unverzichtbar?
Das ist abhängig vom Projekt. Interessieren euch Beispiele? (Natürlich! Immer her damit.)
- David hat ein Auslandsjahr in Amerika gemacht. Für eine Stadt hatte ich mich entschieden. Also habe ich mich dann auf Wikipedia über die einzelnen Stadtteile informiert. Wo liegen die Wohngegenden? Wie teuer ist welche Ecke? Wo sind die Schulen? Nachdem ich alle Antworten hatte, musste ich nur noch das passende Haus finden. Dafür habe ich Googlemaps verwendet.
- Für mein Gargyole Projekt brauchte ich eine Hintergrundgeschichte. Daher habe ich mich vorwiegend über die französische Architektur und die Verwendung von Wasserspeiern informiert. Auch einige Museen haben mir sehr weitergeholfen, um eine bessere Vorstellung zu bekommen. Sobald ich die ersten Ansatzpunkte hatte, konnte ich nach weiteren Informationen graben. Ich hatte eine Jahreszahl und konnte nachlesen, wer damals regierte, wie die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen waren etc. Außerdem konnte ich die Region eingrenzen, gezielt Schlösser aussuchen und diese genauer betrachten. Alle diese Grundlagen sind real und darauf verankere ich die Fantasystory.
Man sieht es immer wieder. Recherche ist super wichtig. Danke für die guten Beispiele.
- Fühlst Du beim Schreiben mit Deinen Protagonisten mit?
Ja. Genaugenommen fühle ich schon vorher für sie. Fragt mich nicht, wie viele Tränen ich bei „Luna und David“ vergossen habe. Um die Szenen schreiben zu können, habe ich mir manchmal erst die Situation vorgestellt und mich in Lunas Lage versetzt. Dann kamen die Details ganz von allein und während ich schrieb, wie es Luna erging, konnte ich den Text vor lauter Tränen selbst nicht mehr lesen. Für den Leser sind es am Ende nur ein paar Sätze, die in wenigen Sekunden gelesen sind. Als Autor schreibt man daran viel länger und so ist es auch mit den Gefühlen. Man steckt viel tiefer daran und muss sich länger damit befassen. Ich glaube, man kann sich dadurch den Gefühlen nicht entziehen.
Oh man, absolut nachvollziehbar! Sie sind im Grunde sowas wie deine Kinder, denke ich.
- Wie findest Du den Weg zurück aus diesen emotionalen / gewalttätigen Szenen?
Meistens mit den Figuren gemeinsam. Ich muss für sie einen Weg finden und dann geht es auch mir wieder besser.
- Hast Du einen Lieblingscharakter?
Im Kodex war es Ramza, weil ich die Art, wie sie denkt, sehr mag. Da ich gerade Band zwei meiner „Rhythm and Love“-Reihe fertiggestellt habe, ist Sammy im Moment aber ganz vorne. Sie ist so herrlich durchgeknallt, schon im ersten Band. Es gibt nichts Besseres (bei Geschwistern oder auch bei Freunden), als einen gesunden Dachschaden. Sonst wäre es doch Langweilig, oder nicht?
Hm, so weit bin ich im Kodex noch nicht, aber ich werde mal besonders auf Ramza achten. :)
Und ja, Langeweile gibt es doch eigentlich nicht unter Geschwistern oder mit "durchgeknallten" Freunden.. ich gebe mir für meine Schwester und meine Freunde auch immer sehr große Mühe, dass sie sich nicht zu sehr mit mir langweilen.. ;-D
- Führen Deine Protagonisten auch mal ein „Eigenleben“? Wie wirkt sich das auf das Schreiben aus?
Ja, das tun sie. Ich kenne sie gut genug, um zu wissen, wie es weitergeht, aber manchmal wollen sie bei einer Szene einfach nicht mitmachen. Dann stellen sie Unsinn an oder werfen den Plot durcheinander. Meistens liegt es daran, dass mir ein Geistesblitz fehlte, zu dem sie mich anspornen wollten. Wenn ich dann die neue Idee einbaue, einer Figur eine andere Aufgabe gebe oder eine andere Figur handeln lassen, klappt alles wieder wunderbar.
Also genau so, wie es bei Kindern ist.. ;)
- Wie viel Zeit nimmt so ein Buch in Anspruch?
Das ist völlig unterschiedlich. Ich habe schon 500 Seiten in einem Monat geschrieben und ebenso habe ich Bücher auf der Festplatte liegen, an denen ich seit etlichen Jahren feile.
- Hast Du eine Lieblingsszene (einen Dialog oder eine besondere Stelle im Buch) in Deinem aktuellen Roman?
Im zweiten Band der „Rhythm and Love“- Reihe habe ich viele Lieblingsstellen. Ich mag es, wie die Personen miteinander agieren und wie sie übereinander denken. Sammy und Steve haben zum Beispiel eine tolle Freundschaft. Aber ihr interessiert euch mehr für Sam und Jayden, oder? Hier ist von jedem ein kleiner Auszug:
Sam: Mehr Zeit für Nachfragen gab ich ihm nicht. Ich presste das Portemonnaie an mich und rannte los. Beinahe wäre ich über herumliegende Kabel gestolpert, aber ich hielt mich an einem Koffer fest und schaffte es ohne Sturz von der Bühne. »Samantha!« Seine Schritte polterten hinter mir. »So nennt mich nur meine Mum.« … in Situationen, in denen ich ähnlichen Unsinn anstelle. »Bleib stehen!« »Nein.« Ich rannte quer durch die Halle auf die Tribüne zu. Zwischen den Stuhlreihen wollte ich ihn abhängen. Mein rechter Fuß erreichte die erste Stufe. Der zweite hing noch in der Luft, als ich am Arm zurückgerissen wurde. Ich stolperte die Stufe rückwärts hinunter und landete an Jaydens Brust. Seine Arme umschlossen meine Taille und hielten mich aufrecht. »Sassy weasel«, sagte er außer Atem. Sein Herz klopfte so fest, dass ich es spüren konnte. Oder war es meines? Keiner von uns bewegte sich. Jays Atem strich über meinen Nacken und bescherte mir eine Gänsehaut.
Jayden: Sam sagte kein Wort. Regungslos lag sie in meinen Armen und fühlte sich zerbrechlich an. Beinahe wie ein Schmetterling, den man auf der Hand hielt. Von dem frechen Wiesel fehlte jede Spur. Sie benutzte kein Parfüm, aber so dicht an ihrer Haut konnte ich ihr Duschgel riechen. Fruchtig und frech wie der Wirbelwind, dem gerade die Luft ausgegangen war. Der Gedanke war verlockend, mit den Lippen über ihre seidige Haut zu fahren und von der Frucht zu kosten.
Hui! Danke für diese tolle Szene! Ich mag den Spitznamen Sassy weasel! :)
- Sind deine Bücher in sich abgeschlossen? Sollte man beim Lesen eine gewisse Reihenfolge einhalten?
Alle bisher erschienen Bücher und auch alles, was dieses Jahr noch erscheinen wird, ist in sich abgeschlossen. Bei den Reihen ist es schöner, wenn man sie in der richtigen Reihenfolge liest, aber nicht notwendig.
Ich fand Rythm and Love 1 toll und freue mich schon auf Band 2!
- Was wolltest Du Deinen Lesern schon immer mitteilen?
Habt Spaß beim Lesen. Es ist weder Wettkampf noch Hausaufgabe. Sucht euch Texte, die euch gefallen und genießt sie.
Vielen, vielen Dank für diesen ausführlichen Einblick! Und jetzt entschuldige bitte, ich will mich dringend noch dem Kodex widmen!
Ich wünsche Dir und allen, die dies lesen, ein schönes Oster-Wochenende mit jeder Menge Lesestoff im Osternest!
Und für alle, die jetzt wissen wollen, über welche Bücher Sophie gesprochen hat, folgt hier eine Linkliste:
Luna und David: Red Leaves (Rythm and Love 1)
Der Kodex der Hüterinnen
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